Wie die Idee entstand in Arequipa – Peru einen waldorfinspirierten Kindergarten und eine Schule für Alle zu gründen

 

Kathedrale auf dem plaza de armas in  Arequipa, mit dem Vulkan Misti im Hintergrund

Schon von Anfang an, als wir, Mirjam und José, uns kennen lernten vor etwa 10 Jahren, beschäftigten wir uns gemeinsam mit der Idee eines Tages etwas für die armen Kinder in Peru zu tun. Damals kam ich gerade aus einem Praktikum in Bolivien, wo ich in einem Kinderheim gearbeitet hatte, in welchem Jungen zwischen 3 und 16 Jahren, von Eltern aus unterschiedlichsten Gründen verlassen, zusammen lebten. Es wurde versucht diesen Kindern und Jugendlichen eine Zukunft zu ermöglichen, die sie selbständig, ohne Kriminalität und besser als ihre Eltern meistern sollten. Dazu war auf dem Gelände des Kinderheims eine Schreinerwerkstatt errichtet worden, andere sollten noch folgen, damit die Kinder lernten etwas mit ihren Händen zu tun, womit sie sich später ein Geld verdienen konnten.

 

Foto: Peter Molnár

Da ich aber zuerst  mein Referendariat zu absolvieren hatte, führte uns das Schicksal erst einmal nach Deutschland. Für José begann eine Zeit in seinem Leben, die ihn in vielerlei Hinsicht geprägt hat, fern von seiner Heimat, seiner Kultur, seinem gewohnten Klima, die ihm aber  auch viele Freunde, neue Erkenntnisse und neue Ansichten beschert hat. Dazu gehört auch die Waldorfpädagogik, die er zuerst über mich – die ich nach meinem Referendariat zur Sonderschullehrerin an der Nürnberger Karl-König-Schule, einer Schule für seelenpflegebedürftige Kinder und Jugendliche – kennen und lieben lernte, später auch über den Waldorfkindergarten in Wendelstein, den wir für unsere Kinder wählten. Wir tauchten gemeinsam immer mehr in die Waldorfpädagogik und die damit verbundene Anthroposophie ein und lernten zudem Menschen kennen, die zu unseren Freunden wurden. Gespräche mit ihnen über das Verwirklichen der eigenen Träume und Aussprüche von Menschen, dass nur junge Menschen im eigenen Land etwas bewegen können, begannen in uns zu arbeiten. Das Thema nach Peru zurückzukehren, war eh eines, welches uns schon viele Jahre bewegte. José wollte gerne wieder nach Hause und auch mich hatten dieser Kontinent und dieses Land vom ersten Moment an in seinen Bann gezogen. Nur die eigenen kleinen Kinder ließen einen, vor allem mütterlicherseits, immer wieder schwanken, was den „richtigen Zeitpunkt“ anbetraf.

Foto: Alejandro Conza

Doch mit meinem 36-ten Lebensjahr wurde auch bei mir der Gedanke immer klarer, dass wenn wir nicht jetzt versuchten unsere Träume in die Realität zu verwandeln, wir diesen Schritt später höchstwahrscheinlich nicht mehr wagen würden. Und die persönliche Angst um die eigenen kleinen Kinder, die hier in der Wendelsteiner Waldorfeinrichtung ihr „vormittägliches Zuhause“ gefunden hatten, wich der Überzeugung, dass dieses Abenteuer, neben dem Versuch den peruanischen  Kindern eine bessere Kindheit und damit Zukunft zu bieten, eine Bereicherung für die ganze Familie werden kann.

Und so wurde der Wunsch von José wieder nach Hause zurück zu kehren mit  der Idee gekoppelt, dort in seiner Heimatstadt eine Schule zu gründen, die neben einer guten Schulbildung, vor allem Freude und Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten ermöglichen soll. Eine Schule, die mit dem Kindergarten beginnt, um dann „gesund“ hoch zu wachsen, in welcher vor allem Kindern aus schlechter situierten Familien eine wertschätzende Umgebung als Selbstverständlichkeit entgegengebracht werden soll. Damit aus diesen zukünftigen mündigen  Peruanern selbstbewusste soziale Menschen werden, die ihr Land positiv verändern können. Dazu muss man wissen, dass in Peru, so wie in fast allen südamerikanischen Ländern ein gewisser „Drill“ in der Schule herrscht und dass Bildung seit vielen Jahren fast ausschließlich in den Kopf geht. Kunst, Musik und das Handwerk geraten von Jahr zu Jahr mehr ins schulische Abseits. Allgemein hat das Handwerk keine anerkannte Stellung im gesellschaftlichen Leben Perus. Man gilt nur als nachahmenswert, wenn man einen Universitätsabschluss gemacht und eine gutbezahlte Stellung gefunden hat. Foto: Peter Molnár 	Demzufolge ist das Spielen in der Kindheit in den letzten Jahren immer deutlicher reduziert worden, da Eltern den Anspruch haben, so früh, so schnell und so viel, wie möglich in die Köpfe ihrer Kinder zu bekommen, da sie ansonsten ihre Kinder in der Zukunft am Rande der Gesellschaft befürchten. Ein weiteres Problem stellt das finanziell sehr knapp bedachte Bildungssystem Perus dar. Es ist ein flächendeckender immer gravierenderer Unterschied zwischen staatlicher und privater Bildung zu erkennen. Desto weiter von der nächsten Stadt entfernt, umso schlechter die staatliche Schulbildung und umso problematischer ein gut situiertes Leben für die Kinder, wenn sie erwachsen sind.

Foto: Alejandro Conza Private Schulinitiativen werden vom Staat finanziell nicht gefördert. Das bedeutet automatisch, dass Eltern für die Bildung ihrer Kinder an einer Privatschule teilweise horrende monatliche Summen aufbringen müssen. Dies können aber nur etwa 30 Prozent der Elternschaft in Peru. Und so entwarfen wir Anfang 2012 eine Anfrage im Internet, in der wir nach gleichgesinnten Eltern in der Stadt Arequipa zur Umsetzung unseres Traumes suchten. Es gab gleich 2 Elternpaare, die die Waldorfpädagogik kannten und sich uns anschlossen. Inzwischen sind wir 15 Eltern in Arequipa, die obwohl noch nichts tatsächlich fertig ist, ihre Kinder zum beginnenden Schuljahr dort im März für den Kindergarten angemeldet haben. Wir tauschten uns in den ersten 8 Monaten nur übers Internet oder Telefon aus, ohne dass wir uns persönlich kannten. Im  März diesen Jahres dann aber flogen wir gemeinsam mit unseren Kindern, Björn Winter und Fanny Baerwald aus dem Wendelsteiner Waldorfschulkollegium nach Arequipa, um die Eltern unserer Gruppe in Arequipa persönlich kennen zu lernen.  Wir veranstalteten einen allgemeinen Informationsabend über unser Vorhaben und einen Workshop, in welchem wir mit  den interessierten Eltern ins pädagogische rbeiten kamen. Wir erprobten uns gemeinsam im Werken, Formen zeichnen, im Aquarell malen und in der Eurythmie. Elternschaft in Arequipa, die auf uns wartetEs war eine sehr schöne Arbeit, die bereichernd für uns alle war. Zudem besuchten wir zwei Grundstücke, die sich anfänglich als Option darstellten, später aber wieder verworfen wurden. Wir planten gemeinsam die nächsten Schritte und träumten vom Entstehen der zukünftigen Freie Schule für Alle El Colibri in Arequipa.

Workshop in Arequipa, März 2013Zurück in Deutschland entschieden wir uns nach kurzer Zeit für die Gründung eines Fördervereins, da uns ansonsten die Umsetzung unserer Idee, auch Kinder aus sozial schwachem Milieu aufzunehmen, aus oben beschriebenen Gründen der Finanzierung unmöglich erschien. Am 20. September 2013 war es soweit. Der Förderverein El Colibri – Colegio libre (Freie Schule) wurde mit sage und schreibe von uns unerwarteten 15 anwesenden Menschen gegründet, die sich der Idee verbunden hatten. Wir durften einen ideenreichen und aktiven Vorstand wählen, welcher aus 2 Personen besteht und im Laufe der bisher vergangenen zwei Monate konnten schon weitere Mitglieder gewonnen werden.  Gleichzeitig fanden sich zahlreiche Spenden von Privatpersonen und einer 9. Klasse  aus einer Dresdener Waldorfschule ein, die uns ihre Einnahmen vom WOW-day spendeten. Auch meldeten sich immer mehr Personen, die an einer Arbeit in Arequipa interessiert sind. So konnten wir Björn Winter gewinnen, der von März bis August mitkommt, sowie 2 Menschen , die unentgeltlich mit uns zusammen im Januar und Februar den Innenausbau des Kindergartens gestalten wollen. Eine Musiklehrerin aus Frankfurt überlegt sich für ein Jahr mitzugehen und ebenso zwei Abiturienten, welche in unserem sozialen Projekt mitwirken wollen. Wir haben das große Glück einen kostenlosen Filmclip über unser Vorhaben in Peru und den Förderverein hier gespendet zu bekommen. Freunde machen unsere Idee bekannt und werben für Spenden. So erreichte uns in den letzten Tagen ein „Weihnachtsgeschenk“ im Umfang von 24 kg Holzspielzeug für den Kindergarten aus der Lebensgemeinschaft Wickersdorf. All diese Gegebenheiten machen uns unheimlich glücklich und wir fühlen uns unendlich unterstützt und bestärkt. Möglicher Bauplatz für die Schule El Colibri – Colegio Libre??

Wir sind voller Enthusiasmus und Schaffenskraft und glauben mit eurer aller Unterstützung an die Verwirklichung unsere Idee für die Kinder Arequipas.